„Technischer Redakteur“ – warum wir diesen Beruf brauchen (auch nach der Krise)

Ein technischer Redakteur konzipiert, erarbeitet und erstellt Betriebsanleitungen, Handbücher sowie Schulungsunterlagen. Er ist Autor sämtlicher technischer Dokumentation, die rund um das Produkt anfällt. Tatsächlich ist die Betriebsanleitung rechtlich gesehen Bestandteil des Produkts. Warum also übernehmen die Ingenieure oder Konstrukteure, die das Produkt konzipieren und entwickeln, nicht die Tätigkeiten des technischen Redakteurs? Wieso gibt es den Beruf des technischen Redakteurs überhaupt? Und warum kann man davon ausgehen, dass er vor allem in den nächsten Jahren verstärkt gebraucht wird?

Technischer Redakteur versus Ingenieur

Viele große und mittelständische Unternehmen kommen vermehrt zur Einsicht, technische Redakteure einzustellen, um ihre technische Dokumentation aufzuarbeiten und zu optimieren. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass interne Konstrukteure und Ingenieure die Aufgaben im Bereich der technischen Dokumentation kaum bewältigen können.

Zum einen spielt der zeitliche Faktor eine große Rolle: Technische Planung, Umsetzung und Fertigstellung der Maschine oder des Produkts stehen im Fokus der zuständigen Konstrukteure. Für die korrekte und ausführliche Dokumentation möchte sich niemand wirklich Zeit nehmen und andere Dinge werden priorisiert. Die Pflege interner Dokumentation im Laufe des Projekts wird größtenteils vernachlässigt. Die Devise lautet meistens: „die Doku kommt zum Schluss“, wobei es dann schon zu spät ist. Das fertige Produkt ist lieferbereit, kann den Hof ohne normengerechte Betriebsanleitung jedoch nicht verlassen. Der Druck steigt und die externe Dokumentation kann mangels Zeit nicht qualitativ und nachhaltig erstellt werden. Arbeitet jedoch ein technischer Redakteur von Beginn an in dem Projekt mit, können diese zeitlichen Engpässe vermieden werden. Von der Entwicklung bis hin zur Fertigung steht der technische Redakteur im fachlichen Austausch mit Ingenieuren und Konstrukteuren und pflegt die interne und externe Dokumentation parallel zur Produktion. Bei Fertigstellung ist somit im Idealfall auch die Betriebsanleitung vollständig und das Produkt kann problemlos ausgeliefert werden.

Zum anderen ist die Fachkompetenz ein wichtiges Argument: Für die Erstellung einer Betriebsanleitung bedarf es nicht nur fachlicher und technischer Kompetenz, sondern auch sprachlichen Fähigkeiten und Menschenverständnis. Ziel der Betriebsanleitung oder der Schulungsunterlagen ist es, technisch komplexe Inhalte sachlich und verständlich zu vermitteln, sodass auch Fachfremde mit dem Produkt umgehen können. Menschen, die sich also tagtäglich mit höchstkomplizierten technischen Sachverhalten beschäftigen, können sich meistens nicht in Laien hineinversetzen und die technischen Informationen an die Zielgruppe angepasst wiedergeben. Hier springt der technische Redakteur ein und bildet die Verbindung zwischen Experten (den Konstrukteuren und Ingenieuren) und Laien (die Leser und Bediener). Mit seiner Affinität zur Sprache und gleichzeitigem technischen Verständnis kann der technische Redakteur die Konstrukteure unterstützen und die technischen Themen der entsprechenden Zielgruppe gerecht in die Betriebsanleitung integrieren. Ein technischer Redakteur besitzt also didaktische Fähigkeiten, die die meisten Ingenieure und Konstrukteure nicht zu ihren Fachkompetenzen zählen beziehungsweise in ihrem eigentlichen Arbeitsalltag nicht gebrauchen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Fachkompetenz eines technischen Redakteurs gegenüber dem Ingenieur ist die Richtlinien- und Normenkenntnis. Qualitative und rechtlich korrekte Dokumentation beruht auf zahlreichen Standards und Normen, wie zum Beispiel der Maschinenrichtlinie, DIN-EN 82079 oder dem militärischen Standard S1000D. Um sich in diesem Bereich immer auf dem neuesten Stand zu halten und diese umfangreichen Normen zu verinnerlichen, ist ein intensiver Zeitaufwand und großes Interesse am Thema „technische Dokumentation“ nötig. Ein technischer Redakteur weiß, nach welchen Standards die Dokumentation anzufertigen ist und ist darauf bedacht, sein Wissen stets zu aktualisieren und gerecht umzusetzen. Bei Ingenieuren und Konstrukteuren, die technische Dokumentation für gewöhnlich als „notwendiges Übel ansehen“, ist dies nicht der Fall und zeitlich nicht umsetzbar.

Weitere Fähigkeiten und Aufgabenbereiche des technischen Redakteurs

Neben dem hohen technischen Verständnis und den didaktischen Fähigkeiten gehören noch weitere spannende Dinge zum Aufgabenfeld eines Technischen Redakteurs. Als Schnittstelle zwischen Hersteller und Anwender muss er Sachverhalte hinterfragen, Risikofaktoren abschätzen, Fehlverhalten kalkulieren und komplexe Prozesse in Schritt-für-Schritt-Anleitungen verschriftlichen.

Ein technischer Redakteur nutzt bei seiner Arbeit verschiedenste EDV-Tools, weshalb die Affinität zu Multimedia und CAD-Anwendungen nicht fehlen darf. Er benutzt multimediale Werkzeuge wie Redaktionssysteme, Content-Management-Software und Bildbearbeitungstools. Medienkompetenz sollten technische Redakteure also aufweisen. Des Weiteren sollte ein technischer Redakteur gute Zeitmanagement- und Organisations-Skills besitzen. Wie jedes umfangreiche Projekt gliedert sich auch die Erstellung einer Betriebsanleitung in mehrere Prozesse auf, welche sorgfältig geplant und kalkuliert werden müssen.

Gute Englischkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen bezüglich Kommunikation sind von enormer Bedeutung, besonders in internationalen Unternehmen. So muss der technische Redakteur auf kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung und Auffassung technischer Inhalte und Darstellungen bedacht sein und sollte seine Arbeit stets übersetzungsgerecht anpassen.

Von Technik bis hin zu Medien und Kultur – der Beruf des technischen Redakteurs umfasst fachübergreifende Tätigkeiten, die verschiedenste Bereiche im Unternehmen abdecken.

Einstieg in den Beruf „Technischer Redakteur“

Viele Wege führen zum Beruf „Technischer Redakteur“. Früher war es die Regel, dass ausgebildete Maschinenbauer oder Abgänger aus anderen technischen Wissenschaften durch Weiterbildungen und Volontariate den Quereinstieg in die technische Dokumentation machten. Außerdem haben Studienabgänger aus den Bereichen Germanistik, Kommunikation und Medienwissenschaften oft den Weg in den Beruf „Technischer Redakteur“ gefunden.

Heute gibt es viele Weiterbildungsmöglichkeiten, die den Quereinstieg in die technische Dokumentation ermöglichen. Mit der Zeit haben sich deutschlandweit auch mehrere Studiengänge entwickelt, die genau auf Fachkommunikation und technische Redaktion abgestimmt sind. Ein Bachelor- oder Masterabschluss oder ein Weiterbildungszertifikat ermöglichen Ihnen den schnellen Einstieg in das spannende Berufsfeld der technischen Dokumentation.

Hypothese

Ausgebildete technische Redakteure sind so gefragt wie nie, da die Erstellungen von Betriebsanleitungen und interner Dokumentation über die Jahre hinweg von vielen Unternehmen vernachlässigt wurden. Der Wunsch zur Nachhaltigkeit macht auch vor dem Bereich der technischen Dokumentation nicht Halt. Durch Einführung von Redaktions- und Content-Management-Systemen sowie konsistente Überarbeitung und Aufbereitung vorhandener Dokumentation können Kosten und Zeitaufwände langfristig gesenkt werden, was immer mehr Unternehmen einsehen und umsetzen wollen. Der Beruf „Technischer Redakteur“ wird also immer etablierter und beliebter – wer den Einstieg in das abwechslungsreiche Fachgebiet „technische Dokumentation“ wagen möchte, sollte es also jetzt tun.

Zudem kann man davon ausgehen, dass die aktuelle Situation dazu beiträgt, dass sich viele Unternehmen breiter aufstellen und neue Geschäftsideen umsetzen bzw. Produkte (weiter)entwickeln werden. Automatisierte Lösungen für Läden und Geschäfte, virtuelle Produktpräsentationen (mit Virtual Reality Produkterfahrungen schaffen), autonome Systeme sowie die Digitalisierung von Informationen werden den Bedarf an interner Dokumentation und detaillierten Produktinformationen steigern.

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